Urlaubsgedanken

Über 900 km von Zuhause entfernt …

Am Meer. Ich liebe das Meer.

Es glitzert.

Die Geräusche beruhigen mich.

Auch dieses Jahr ist es mir wieder gelungen, ein Stück recht unbelebter Strand zu finden. Kroatien ist dafür bestens geeignet.

Wir sind hier in einem wirklich großen Feriencamp. Eine Familie ist in unserer Nähe, die völlig rücksichtslos ist. Aber auf die kann man überall treffen. Ansonsten ist die Größe für uns alle kein Problem.
Der Strand ist 3 km lang.

Ich bin trotz WiFi wenig oder eher kaum online.

ES TUT MIR GUT.

In letzter Zeit hab ich mich schwer „verzettelt“.
Aber ich merke, ich kann nicht auf allen „Hochzeiten tanzen“.
Ich bin gut darin, für autistische Kinder zu „übersetzten“. Ich bin ein Sprachrohr für sie.
Ich selbst bin Vollbildautistin, wandle aber gefühlt „zwischen den Welten“.
Natürlich bin ich genauso reizüberflutet, ich habe sehr viele Schwierigkeiten. Aber auch enorme Fähigkeiten.
Fähigkeiten, die ich gerne bewusst weiterhin einsetzten möchte. Nur den Rest “ drumrum“ muss ich dazu fallen lassen…
In der Zeit in der ich mich „verzettelt“ habe, war ich nicht mehr in der Lage meine Fähigkeiten gezielt einzusetzen.
Das möchte ich wieder ändern.
Es gibt so viele Kinder und Familien da draußen, die auf mich warten …
Aus diesem Grunde werde ich mich aus der Kampfszene gegen MMS und Co wieder zurückziehen.

Ich werde wieder da sein für sie. Alles andere werde ich beenden.
Es tut mir sowieso nicht gut. Es kostest so viel Anstrengung für mich. Meine Fähigkeiten kann ich fast „spielerisch“ einsetzten. Es bedeutet einen Zeitaufwand für mich, mehr aber nicht.
Manchmal auch durchweinte Nächte, okay…. Wenn Kinder von Ihren Eltern so gar nicht verstanden werden und diese zulassen dass man sie in Heime abschiebt, dort womöglich fixiert und medikamentös wegdröhnt. Bzw. Medikamentenmissbrauch findet in solchen Familien auch schon vorher statt …
Anstatt man sich auf das Kind einlässt und es versucht zu verstehen, wird eher am „anderen Ende der Schraube gedreht“. Das Kind passt eben einfach nicht in die eigenen Lebensvorstellungen.

Ja, wir Autisten sind bestimmt anstrengend.
Aber das seid Ihr NTs für uns auch. Sehr sogar.
Ich bin davon überzeugt, könnte ich einfach so vor mich hinleben, ginge es mir bestens. Ich hab kein Problem mit mir selbst. Nur mit euch … Mit dieser Welt die nunmal leider auf NTs ausgerichtet ist.

Muggelwelt.

Laut.
Verwirrend.
Undeutlich.
Anstrengend.
Stinkend.
Verlogen.

Manchmal brauche ich sowas wie hier um mich selbst wieder zu finden.
Ich hab mich gefunden und werde wieder meine Fähigkeiten einsetzten.

Für all die kleinen Autisten da draußen deren Eltern ich erreichen kann ❤️

Ich werde wieder für euch da sein und ich verspreche, ich lasse euch nicht mehr alleine ❤️

Urlaub

Nach 6 Monaten arbeiten endlich Urlaub.

Ich bin fertig. Völlig am Ende.
Meine Arbeit ist alles andere als autistenfreundlich.
Es ist laut. Schrecklich laut.

Züge donnern vorbei. Viele Züge. Güterzüge. An der Hintertüre.
An der Vordertüre ist der Busbahnhof.
Die Kaffeemaschine macht einen ohrenbetäubenden Lärm und das Radio läuft ohne Unterbrechung. Dazu Menschenstimmen.

Es ist heiß. Der Backofen läuft auch trotz Sommer … Meine Arbeitskleidung ist viel zu dick und zuwenig „luftig“.

Menschen stinken. Manche nach Schweiß. Manche nach Parfum. Manche nach alt. Manche modrig. Ihr wollt nicht wissen was ich alles riechen kann^^
Ich kann Essen abschmecken ohne zu probieren …
Wir arbeiten auch 365 Tage im Jahr. Wir haben nie zu. Die Arbeitszeiten variierten von 4:30 Uhr bis 20:00 Uhr. Es gibt keinen richtigen Schichtplan.

Die letzen beiden Arbeitstage waren z.B. so: Mittwoch 12 bis 20 Uhr. Donnerstag 4:30 bis 11:30 Uhr. Und wir arbeiten ohne Pause. 8 Std. am Stück sind heftig.

Ich arbeite unter ständigem Zeitdruck.
Zeitdruck ist ein enorm schlimmer Faktor für mich.

Und ich habe Kontakt zu etlichen Menschen… Ich sollte Smalltalk führen … Immer gut „drauf“ sein.
Es fällt mir schwer.
Ich muss was ändern. Dringend.

Nach dem Urlaub gehe ich es wieder an …

Jetzt hab ich erstmal Urlaub und ich hoffe auch etwas Zeit für mich. Ich muss mich mit meiner Diagnose mehr und intensiver auseinander setzten können. Es gibt so viel zu verarbeiten.

Diese Arbeit ist für mich nur unter der „Maske“ machbar. Aber sie quält mich so sehr.
Ich habe Angst. Ich bin garantiert schwer gefährdet in eine Depression abzurutschen. Ich komme aus diesem Loch einfach nicht mehr raus.

So kann ich nicht weiterleben. Das geht nicht.
Aber was sonst?! Ich kann nicht alle Jobs annehmen, weil ich all die Termine für meine Kinder noch unterbringen können muss.
Aber so kann ich nicht leben …
Momentan lebe ich ausschließlich für andere.
Noch nicht ein mal mehr ins Zumba schaffe ich es 😞

Ich werde versuchen, die Zeit für mich zu nutzen um Veränderung herbeiführen zu können.
Und auch damit die Veränderung dann wieder verkraften zu können.

Die Diagnose

Es ist vorbei.

Geschafft. Überstanden.

Wenn auch nicht wieder ganz selbstständig. Ich hab es nicht geschafft, meine Überweisung telefonisch bei meinem Hausarzt zu „bestellen“. Mein Mann hat das für mich gemacht. Zuerst war ich wütend auf mich selbst. Weil ich aufgegeben habe ….
Jetzt, im Nachhinein, habe ich beschlossen auf mich mehr Rücksicht zu nehmen und mich nicht mehr tagelang zu solchen Sachen zu zwingen. So bleibt mehr Kraft für wirklich wichtige Dinge.

Ich werde auch meinen Hausarzt fragen, ob er mir eine barrierefreie Kommunikation bieten will. Eine E-Mail Adresse hat doch sicher jeder Praxis heutzutage. Da er selbst eine behinderte Tochter hat, erhoffe ich mir Verständnis.

Seit 2 Tagen habe ich nun die Diagnose Asperger Syndrom. Vollbild. Das Vollbild war mir nicht wirklich klar. Auch nicht, dass ich eine leichte Gesichtsblindheit habe. Aber woher soll ich auch wissen, was „normal“ ist. Ich kenne es ja nicht anders.

Die Tage vor der Diagnose haben enormes von mir abverlangt. Ich fühle mich ausgelaugt. Kaputt.

Angekommen ist das bisher noch nicht bei mir. Wieder einmal bin ich damit beschäftigt, alles in kleine Bruchstücke „auseinanderzunehmen“. Zu analysieren. Wieder zusammenzusetzen um dann festzustellen, dass dann durch die neuen Erkenntnisse sich wieder andere Fragen auftun.

Man will mich in eine Gruppe zu hochfunktionalen Autisten schicken… Bei dem Wort Gruppe dreht sich allerdings schon wieder mein Magen.

Manchmal fühle ich mich gut durch die Diagnose. Es bestätigt, dass ich nie wirklich ein bockiges Kind war … Ich war ein autistisches Kind… Es bestätigt, das ich „keinen an der Waffel“ habe, sondern das es eine Erklärung für mein Empfinden und für mein Verhalten gibt. Und das es okay ist.

Aber ich fühle mich auch komisch. Betrübt. Ich bin also „behindert“.

Und auch solche Gedanken warum es fast 42 Jahre dauern musste, lassen mich nicht los.

Dennoch habe ich das Gefühl, das es richtig war. Aber ich werde Zeit brauchen um das zu „verdauen“.
Ich werde sie mir auch nehmen.

Mal schauen, aber ich denke darüber werde ich viel bloggen.

Da müsst Ihr jetzt durch 😃

Freitag, der 13.

Irgendwie schon seltsam…

Jetzt, wo es mir so schlecht geht wie selten zuvor, passiert das Unerwartete.
Naja, unerwartet nicht wirklich. Schon seit langer Zeit bin ich in der Asperger Ambulanz angemeldet. So lange, dass ich schon nicht mehr damit gerechnet habe. Aber heute hab ich einen ersten Termin bekommen.
Telefonisch. Und ich hatte extra darum gebeten, mir diesen schriftlich oder per Mail mitzuteilen^^
Das alles zusammen wahrscheinlich, hat für einen seltsamen Gemütszustand gereicht. Er hält immer noch an. Ich weiß nicht, ob ich weinen oder lachen soll. Einerseits bin ich froh, dass endlich etwas passiert. Andererseits fühle ich mich, als würde man mich zur „Schlachtbank“ bringen.
Irgendwie erlebe ich die letzten Stunden wie in Trance. Als wäre ich aus meinem Körper rausgeschlüpft. Das ist eigentlich nicht so seltsam, ich habe sowas öfters. Aber anders eben. Noch kann ich es nicht besser beschreiben. Ich hoffe, ich kann das analysieren.

Aber wie es scheint, wird meine Zeit als undiagnostizierte Autistin bald ein Ende haben.
Aus Erzählungen anderer weiß ich, dass man durchaus „abstürzen“ kann durch die Diagnose. Obwohl man es ja innerlich bereits wusste.
Vielleicht fühle ich mich wegen dieser Erfahrung anderer so, als würde ich zur „Schlachtbank“ geführt. Weil ich Angst habe, damit nicht klarzukommen.

Stellen werde ich mich dem aber dennoch. So wie es jetzt ist, kann es auch nicht bleiben. Und die Abstände werden immer kürzer in diese schlechten Phasen. Die Phasen dauern auch immer länger. Obwohl ich sie mittlerweile besser annehmen kann. Aber das „Druckgefühl“ wird immer stärker.

1000 Gedanken kreißen durch meinen Kopf und ich fühle schon wieder einen Shutdown ankriechen.
Aber „rausnehmen“ kann ich mich nicht. Meine Kinder sind da, brauchen Ihre Mama. Auch wenn ich wieder einmal nur körperlich anwesend bin.

Das „Loch“

Sprachlos. Als gäbe es keine Buchstaben mehr.
Unfähig mich auszudrücken.
Schmerzverzerrt.
Zurückgedrängt.
Hilflos.

Ich kämpfe. Aber weiß eigentlich nicht wogegen.
Loslassen. Ich will loslassen.
Auszeit. Ich brauche eine Auszeit.

Aber wovon?!

Ich renne weg von den Menschen die mich verstehen. Und bleibe da, wo ich nicht verstanden werde.

Irgendwie läuft da was falsch.

Stark sein. Ich muss stark sein.

In Wirklichkeit kann ich nicht einmal mehr einen telefonischen Friseurtermin ausmachen …

Wann lerne ich endlich auf mich zu hören?! RECHTZEITIG !!!

Ich hab losgelassen. Mich ins Loch fallen lassen.
Jetzt liege ich am Boden und versuche mich zu erholen. Ich brauche Kraft für den Aufstieg.
Ich komme wieder. Ganz sicher. Aber nicht heute…

Der St. Nimmeralleinstag ….

Schlimme Sachen sind passiert. Schlimme Vorwürfe. Die meisten davon unausgesprochen… Absichtlich so, das Autisten sich nicht wehren können… Die Reflektionszeit dauert zu lange…

Mehrere Autisten befinden sich deshalb auf Rückzug. Ich auch.
All das, für das ich jemals gekämpft habe, geriet ins wanken.

Eine NT Mutter hat zugeschlagen….

Sie schlug Autisten Kinder. Eure Kinder. Noch ist Ihr das nicht klar. Noch ist euch das nicht klar.

Sie denkt, sie hätte das ultimative Zeug zum „Übersetzter“…
Damit hat sie allerdings nur bewiesen, dass sie in Sachen „Autismus verstehen“ in den Kinderschuhen steckt.

Ich mache Platz für sie … Eure Kinder tun mir leid….

Aber um gegen derartige Personen zu kämpfen, fehlt mir definitiv die Kraft.

Meine Kinder sind bei mir. Alles ist gut.

So werden alle Autisten irgendwann weg brechen.
Ich fühle mich mit meiner Entscheidung erstmal erleichtert.

Alles andere ist nicht mein „Ding“.
Ich würde vorschlagen, diejenige Person die ich meine, kümmert sich nun um all die Eltern ….

Hahaha …. – die Zahl der ABA Opfer wird somit wieder steigen.

Danke für eurer Vertrauen! *Ironie off*

Der normale Wahnsinn

Die Arbeitswelt hat mich wieder…
Meine mentale Vorbereitung darauf hat mir alle Kraft geraubt.
Wochenlang versuchte ich mich möglichst PERFEKT darauf vorzubereiten.
Wie so oft im Leben, kommt alles anders…
Und nun, finde ich mich nicht ein in dieser neuen Welt.
Weil es nicht meine Welt ist.
Ich arbeite – völlig unterbezahlt – in einem für mich zu anstrengendem Job. Ich habe täglich mit hunderten Menschen zu tun.
Es war nur leider die einzige Möglichkeit alles unter einen Hut zubekommen. All die Termine mit und für meine Kinder… Dafür bleibe – wie immer – ich auf der Strecke.
Aber wir brauchen das Geld…

Ich suche mit Nachdruck weiter nach einer Arbeit die mir liegt – und nicht nur die Kasse füllt.

Also, verzeiht mir bitte meine Wortlosigkeit momentan.

Sobald ich mich wieder aufgerafft habe, geht es hier natürlich weiter.

Die Maske – Teil 1

In letzter Zeit schrieb ich öfters darüber in einigen Foren …
Dieses Thema ist mir enorm wichtig, deshalb will ich versuchen es „aufzugreifen“.

Es geht um „die Maske“.

Immer wieder hört und liest man davon, dass Autisten eine Maske hätten … Dass sie Theater spielen oder gar eine Mogelpackung wären… Letzeres sagte ein – nicht unwichtiger Freund – zu mir auch schon. Nichtsahnend. Er weiss bis heute nicht, wer oder was ich wirklich bin… Gerade bei solchen Menschen wie ihm, fällt es mir enorm schwer.
Weil ich Angst habe, ihn zu verlieren. Dabei zeigte er mir deutlich, dass er merkt das etwas nicht stimmt. Weil er mich eben besser kennt. Der Kontakt zwischen uns brach für eine Weile ab. Auch weil er nicht weiss, wie schwer es mir fällt eine Freundschaft aufrecht zu erhalten. Er gab nach … Und kam wieder zu mir. Dem Himmel sei Dank – ich hoffe ich schaffe es, die Freundschaft so lange aufrecht zu erhalten, bis ich mich traue mich zu outen. Outen vor fremden Menschen fällt mir nicht schwer. Da hab ich nix zu verlieren…. Bei diesem Freund aber schon. Sehr viel sogar. Er hat auch eine Freundin, die ich sehr mag. Sie ist eine der wenigen Frauen, mit denen ich mich ernsthaft und ohne „auszusteigen“ unterhalten kann. Sie ist sehr belesen, intelligent und kann mit den typischen „Frauenthemen“ genauso wenig anfangen wie ich.

Ehrlich gesagt, spekulliere ich auch damit, ihm diesen Blog einfach per Mail zu senden. Dann muss ich erstmal nicht reden. Reden fällt mir schwer.

Warum die Maske? Was ist sie? Ist sie sowas wie eine Fastnachtsmaske?

Ich will versuchen, neurotypischen Menschen von der „Maske“ der Autisten zu erklären.

Meine Maske sass einmal wie angegossen. Nun passt sie aber nicht mehr – sie hat sich mir nicht angepasst :/ Wir haben uns quasi „auseinandergelebt“.
Ich könnte nun durchaus mich meiner Maske anpassen. Ja, ich glaube das würde funktionieren. Eine begrenzte Weile zumindest.

Meine Maske ist für mich eine Schutzfunktion und eine Qual zugleich. Sie hilft mir einerseits, mich in dieser verwirrenden Welt – zumindest etwas – zurecht zu finden. Zum Schein wenigstens.  Dass ich nicht immer und überall „anecke“. So wie früher – als ich Kind und Teenie war.

Ich war immer schon anderst. Bis ich gelernt habe, diese Maske anzuziehen. Ich presste mich förmlich in sie hinein. Damit ich so war, wie andere mich gerne gehabt haben. Für dieses Gefühl der Annerkenung und des Geliebtseins. Wie trügerisch, wie selbstverletztend, wie schmerzlich das für mich enden sollte, war mir damals nicht klar.

Ich habe immer nur gespürrt, dass ich so wie ich wirklich war, weder akzeptiert noch geliebt war. Oder nur von wenigen Menschen. Also, presste ich mich da rein. Ich habe enorm viele Wunden und Narben davon getragen… Ich habe meine Seele damit zum „Anhänger des Teufels“ gemacht. Wider meiner Natur gelebt … Selbst beim schreiben merke ich, wie unendlich angepasst ich doch bin. Immer wieder formuliere ich Sätze um, nur weil sie zu „gestelzt“ sind. Ich mich mit meinem Schreibstil quasi „verraten“ würde.

Mein wirklicher Stil, ist das „Gesteltze“ gepaart mit ekelhafter Offenheit und Vulgarität. Ich liebe das – weil es ehrlich ist. Ehrlich und direkt. Ohne Unklarheiten, ohne Missverständnise.

Damit kommen aber „Muggel“ nicht klar… Also, hab ich angefangen an meiner Schreib- und Sprechweise zu arbeiten. Ich will ja niemanden verletzen. Warum auch?! Ich mag die Muggel ja. Viele davon hab ich wirklich sehr lieb. Was ich damit aber MIR angetan hab – das bedenkt niemand! Ich muss ständig alles „übersetzten“.

1. Damit ich die Muggel verstehe.
2. Damit ich sie nicht erschrecke, verletzte oder was auch immer.

UND DAS IST SOOO ANSTRENGEND. Ich schaffe das nicht mehr.

Ich muss dieses Drecksding von Maske abnehmen.

Sie quält mich. Sie macht mich kaputt – ich leide enorm unter ihr.
Ich halte fest: ICH leide, damit die Muggel nicht leiden müssen.

Zuhause versuche ich ohne diese Maske leben zu können. Was allerdings schwer ist – ich bin mit einem Muggel verheiratet. Natürlich kennt er meine Grenzen, meine Barrieren, mein „anderes ich“. Er musste viel zurück stecken. Vieles „schlucken“, vieles aushalten und er musste vieles lernen im Umgang mit mir. Anfangs sind wir heftig über Verständigungsproblme gestopert. Wir haben sogar „Codewörter“ abgemacht, die wir sagten, wenn einer von uns beiden gerade wieder etwas in den „falschen Hals“ bekam.

Um auf die Fragen einzugehen… Nein, meine Maske ist kein Faschingsverkleidungsexemplar. Meine Maske ist machmal notwendig für den Umgang mit neurotypischen Menschen. Da sie mich quält, werde ich sie entweder abnehmen MÜSSEN, oder sie wird mich in die Isolation treiben.

Letzteres ist mir lieber. Noch. Ich lebe gerade so ein „Mittelding“ aus beidem.

Um sie nicht mehr „anziehen“ zu müssen brauche ich meine Diagnose. Deshalb. Und wenn es geht, etwas schneller als bisher. Diese Warterei macht mich kirre. Ich zerbreche mit diesem Drecksding. Ich hoffe, ich halte es aus solange…
Meine „Erholungstage“ werden immer mehr und dauern immer länger.

Ich sehne mich nach völliger Isolatation. Ich will einfach nur noch schreien und weg …
Weg, aus dieser für mich so anstrengenden Welt.

Mein Versuch, meine Maske abzunehmen vor wirklich guten Freundinnen (aus einer Jugendgruppe – die von Sozialpädagoginnen geführt war – alleine hätte ich sowas nicht geschafft) ist schwer in die Hose gegegangen.
Erst danach, lass ich darüber was ich gemacht habe – „Brücken abbrechen“ nennt man das. Einige der Freundinnen sind mir geblieben… Aber jetzt sind da wieder diese Verständigungsprobleme.

Auch wenn ich einkaufen gehe, oder in den Kindergarten, egal wohin – sobald ich unter Menschen trete brauche ich dieses DRECKSDING. Um nicht aufzufallen, um zu verstecken, was ich alles anstelle – was ich für Ausreden erfinde !!!  nur damit mich niemand ausversehen anfässt… damit keiner die Möglichkeit erhält mich anzusprechen …. Dieser Stress – dieses „durchrennen“ …. Ich hasse es.

Diese Maske macht Autisten krank – das wollte ich damit gesagt haben…

Deshalb wünsche ich mir, einwenig mehr Akzeptanz und etwas mehr Barrierefreiheit für Autisten. Genau heute.

Und wie der Titel schon verrät – ich bin nicht fertig 😉

Internetfreundschaften

Erst heute Abend ist es wieder passiert …

Ich glaube, NTs können nicht verstehen welchen Stellenwert Internetfreundschaften für Autisten haben.

Für mich bedeutet das, dass ich sehr wohl soziale Kontakte haben kann. Soziale Kontakte die mich bei weitem weinger anstrengen als im realen Leben. Warum und wie mich die anstrengen … Das ist ein anderes Thema – auch darüber werde ich bloggen.

Ich kann  schreiben und muss nicht sprechen. Die wenigsten können sich vorstellen, was ich wirklich zu sagen habe – wenn ich es nur schreiben darf!!!

Natürlich habe ich auch Barrieren. Auch wenn sich das viele nicht vorstellen können. Es gibt soviel das ich zu sagen habe, aber es will nicht über meine Lippen. Meine Gedanken können meinen Kopf nicht verlassen. Gefangen. Sprachlos. Dumm erscheinend. Ich fühle mich gefangen in mir selbst.
Wenige Menschen kennen das, wenn ich ungehindert sprechen kann.
Auf die meisten Menschen wirke ich scheinbar arrogant. Schön. Aber eben arrogant.  (Real)

Prima Strategie. Damit habe ich mir viel vom “ Hals gehalten“ glaube ich. Aber im Endeffekt habe ich dabei immer nur „geschluckt“. Meine Gedanken und Gefühle eben. Weil ich unfähig bin diese auch zu verbalisieren.

Aber was sind nun die anderen AutistInnen für mich ?!

Das sind Menschen, denen ich in erster Linie mich NICHT erklären muss. Viele kennen meine Gedanken und Gefühle.
Man sagt ja auch, Autisten hätten „sowas“ nicht … Aber man irrt !!! Im Gegenteil. Auch meine Gefühle reizüberfluten mich mich komplett. Ich fühle soviel, das ich gar nicht mehr weis wohin damit. Ich bin eher zu empathievoll als empathielos …
Ich kann nicht TV schauen, weil ich mich zu sehr in die Rollen der Schauspieler hinein schaue. Zu viel. Gepaart damit, unfähig zu sein ALLES zu verstehen. Oder eben in der „normalen“ Geschwindigkeit“ von NTs. Ich brauche für all das meinen Kopf – wie bei einer Fremdsprache. Ich übersetzte quasi NT Sprache zu meiner. Ich bin sehr froh das ich das kann. Aber es ist enorm anstrengend für mich.

Ich habe deutlich mehr emotionale Bindungen zu Menschen aus der Commuinty, als zu Menschen im meinem realem Leben. Außer meiner Familie natürlich.
Diese Menschen im Netzwerk bedeuten mir sehr viel… SEHR viel.

Heute habe ich ein Paket bekommen. Aus Fürth. Wir „wichteln“. Ich freue mich auf mein Weihnachtsmüsli morgen früh 🙂 Wir sind uns so nah – das ist für andere scheinabr nicht nachvollziehbar …

Für mich bedeuten diese Menschen sehr viel. Freundschaft. Ohne Reizüberflutung. Ohne Druck. Ohne Zwang.
Und meine Worte können meinen Kopf verlassen. Ich muss nicht reden. Obwohl ich es kann / aber eben nur bedingt.

Sie sind immer da, wir stützen uns in schwierigen Lebenslagen. Die wir eigentlich täglich haben :/ Nur will das keiner sehen.

Hätte ich euch nicht gefunden … ❤ Habt Dank an euch, auch wenn viele nicht wissen wer hier eigentlich bloggt 😉

Achja, Tatiana – ich liebe Dich ❤  Wenn alle Menschen so wären wie Du, wäre meine Welt in Ordnung 😉